Kann man in Zeiten von Corona über Testamentspenden reden?

Diese Frage wurde mir am vergangenen Samstag im Modul Nachlassfundraising des DAS Fundraising Management an der ZHAW gestellt, welches wegen Corona nicht als klassische Vorlesung, sondern online via Zoom stattfand. Aber das ist eine andere Geschichte. Nur so viel: Physische Präsenzveranstaltungen mit sozialen Interaktionen und nonverbaler Kommunikation zwischen Dozierenden und Studierenden werden Webinare niemals vollwertig ersetzen können. Die Vorteile (z.B. nicht An-/ und Abreisen müssen) sind aber nicht von der Hand zu weisen.

Ich möchte die Frage eingangs aufgreifen und einige Gedanken dazu formulieren. Es ist unbestritten, dass die Kommunikation mit Spenderinnen und Spendern rund um das Thema Sterben und Vererben sehr vorsichtig, überlegt und aufrichtig sein muss. Zwar ist das Thema heute kein Tabu mehr, aber die Gefahr durch die falsche Botschaft oder den falschen Zeitpunkt Vertrauen zu zerstören, ist in diesem Kontext eigentlich immer gegeben.
Ist nun, wo sich die Zielgruppe des Nachlassfundraising mit der Covid 19-Risikogruppe praktisch zu 100% deckt, ein solcher falscher Zeitpunkt? Ja und Nein, lautet die Antwort aus meiner Sicht. Ja, wenn es darum geht neue Testamentspenderinnen und -spender zu finden. Nein, wenn es um jene geht, die meine Organisation bereits im Testament bedacht haben.

Jetzt über Testamentspenden sprechen, aber nicht darum bitten
Jemanden, der in der Angst lebt, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren und mit hoher Wahrscheinlichkeit daran zu sterben, wenn dies geschieht, wird auf die direkte Ansprache des Themas Testament wohl zumindest irritiert reagieren. Über die letzte grosse Testamentsspende im Newsletter schreiben oder sich in den anstehenden Jahresberichten ganz besonders für die Testamentspenden bedanken und auf ihre Bedeutung und Wirkung hinweisen, sollte man natürlich weiterhin. Wenn sich jemand genau jetzt akut mit der Abfasssung seines oder ihres Testaments auseinandersetzt, kann dieses gute Beispiel den letzten Impuls geben, dass meine Organisation im Testament bedacht wird.

Jetzt zeigen, dass man sich um ältere Spender*innen sorgt
Wenn mir Testamentspender*innen bekannt sind, ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, mich bei ihnen zu melden und, wenn meine Organisation sie auch anbieten kann, zu fragen, ob er oder sie Unterstützung bei Alltäglichem benötigt. Und wenn meine Organisation keinen Freiwilligendienst hat, kann ich helfen einen solchen zu finden. Alte Menschen ohne Familie und ohne die Möglichkeit, sich im Internet Hilfe zu suchen, werden es sehr schätzen, wenn man ihnen dies abnimmt. Das könnte übrigens auch dort geschehen, wo noch kein Testament hinterlegt ist. Jeder und jede wird froh sein, mit einem Menschen zu reden, der Interesse und Anteilnahme zeigt. Es wird die Bindung und das Vertrauen stärken. Und darauf kommt es nicht nur im Nachlassfundraising an.