Themenwoche F2F/D2D

Am 25.04. endete für mich eine Arbeitswoche, die stark von den Themen Face-to-Face und Door-to-Door in Zeiten von Corona geprägt war. Erst widmete sich der TalkingTuesday von Swissfundraising am 21.04. der Frage, wann und wie es mit Standaktionen und Haustürwerbung in der Schweiz weitergehen wird. Am 23.04. fand dann eine von sozialmarketing.de veranstaltete Online-Fundrasing-Konferenz statt, an der über 500 Kolleginnen und Kollegen aus der DACH-Region teilnahmen – selbstverständlich ging es auch dort u.a. um dieses Thema. Am Samstag den 25.04. schliesslich, durfte ich in einem Zoom-Gastvortrag Studierenden des CAS Fundraising Management der ZHAW von den Dauerspenden-Programmen der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi berichten, wo seit vielen Jahren sehr erfolgreich auf die beiden besten Akquisekanäle gesetzt wird, die wir im Massenfundraising derzeit haben.

Der Zwischenstand

Hier meine ganz subjektive Zusammenfassung der einschlägigen Fragen, die in dieser Woche erörtert und zum Teil auch beantwortet wurden:

  • Alle – Agenturen und ihre NGO-Kunden – hoffen, dass die F2F- und D2D-Kampagnen möglichst rasch wieder starten können, denn…
  • …in keinem anderen Kanal kann mit ähnlich gutem ROI um neue Dauerspenderinnen und Dauerspender geworben werden
  • Es wird alles versucht, um über Kurzarbeit und Einsatz festangestellter Dialoger*innen im Telefonfundraising oder anderweitig, Entlassungen zu verhindern
  • Überhaupt ist das Telefon das Instrument der Stunde, denn der echte Dialog (im Sinne eines Gesprächs) mit den Spenderinnen und Spendern kann jetzt eigentlich nur dort aufrecht erhalten werden
  • Die zahlreichen Studierenden und junge Menschen in einer Orientierungsphase, die üblicherweise einen grossen Teil der Arbeit an der Haustüre und an den Infoständen leisten, haben derzeit keinen Job (auch Alternativen in der Gastronomie oder im Verkauf sind rar)
  • Als Kunde einer F2F/D2D-Agentur sollte man sich des Dilemmas und der Notsituation, in der die Agenturen und ihre Mitarbeitenden stecken, bewusst sein
  • Auf Agenturseite ist man bezüglich Startdatum deutlich optimistischer als bei deren Kunden. In der Schweiz möchte der grösste Anbieter von Standaktionen am 8. Juni wieder loslegen und hofft sogar, die für 2019 vereinbarten Budgets umsetzen zu können
  • Sicher wird es noch lange Auflagen geben, um Fundraiser*innen und Bürger*innen vor einer Ansteckung mit dem Sars-CoV-2 zu schützen
  • Masken, vielleicht sogar Schutzanzüge und anderes mehr, werden die Art und Weise dieser Kampagnen verändern
  • Funny-Masks oder mit dem NGO-Logo gebrandete Masken verhelfen dem Mask-to-Mask-Fundraising zu einem freundlicheren Daherkommen
  • Die technische Komponente dieses Menschengetriebenen Fundaisingkanals wird durch die neue Situation (grösstmögliche Kontaktlosigkeit) einen Schub erleben

Wie weiter?

Man darf davon ausgehen, dass wir in einem Zeitenwechsel leben. Was die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformationen während und nach der Krise für das Fundraising bedeuten, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Es ist aber nicht vollkommen abwegig, dass die Menschen gerade durch das Vernunft-getriebenem Abstandhalten heute, zukünftig näher zusammenrücken werden, um Probleme anzugehen und zu lösen.

Es ist gut und richtig, mit Spenderinnen und Spendern eine Reise machen zu wollen. Ohne F2F und D2D wird es nur sehr viel schwieriger, Menschen überhaupt für diese Reise zu interessieren und an Bord zu bitten. Ich hoffe deshalb sehr, dass bald wieder freundliche junge Menschen an Haustüren und auf öffentlichen Plätzen um Unterstützung für nachhaltige Entwicklung, Menschenrechte und Naturschutz werben. Ob das am 8. Juni oder erst später so sein wird? Que sera, sera…

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